JANET MUELLER_

Muellers Werke sind schwer einer Disziplin zuzuordnen. Sie malt, sie zeichnet, sie fertigt Objekte an und arbeitet skulptural. Dies geschieht meist losgelöst von jeglicher Kontrolle.

Durch künstlerische Interventionen und Verfremdungen von Ausgangspunkten schafft sie neue Sichtweisen, um letztlich in all ihren Arbeiten eine komplexe und eigensinnige Fragilität zu erreichen. Die Künstlerin drückt aus, was sie im Innersten beschäftigt und antreibt und weiss um den Umstand, dass alles Getriebene nicht rational ist, weil es generell unvernünftig ist. Sie fordert also ihre inneren Konflikte von Anpassung und Rastlosigkeit in ihrer künstlerischen Tätigkeit permanent aus.

So entwickeln alle ihre zunächst formalästhetischen und beinahe lieblich wirkenden Arbeiten ein Eigenleben und produzieren dabei einen sonderbaren Sog rauer Schönheiten. So erinnern *Körperlandschaften* in Zeiten ausgeprägten Körperkults an fragile, disfunktionale Gebrechlichkeiten und Makel des Körpers und daran, dass wir uns selbst längst nicht mehr gehören und alles öffentlich teilen.

Text, Catrina Sonderegger, Kuratorin TART Zürich

In «Körperlandschaften» spielt mit dieser Leichtigkeit, die plötzlich ganz schwer werden kann: Zarte Linien, die sich erst beim zweiten Hinsehen als Silhouetten oder Teile von Frauen herausstellen, schamhaft und stark, selbstvergessen und provokant zugleich. Einige Stellen hat Müller mit Tusche übermalt zeigt so gerade auf, was sich verbirgt: Wir betrachten beim Betrachten dieser Zeichnungen auch den Blick unserer Gesellschaft auf die Frau und nähern uns einer subjektiveren Weiblichkeit an.

Diese Arbeiten lehnen jede Art von Perfektion ab.

Sie malt Körperlandschaften, die aus Linien und Formen bestehen., die nach Licht und Schatten suchen, nach Tiefe , nach Grenzen und klaren Formen.

Asu der Ferne noch schwer lesbar, eröffnet sich von Nahem eine neue Geschichte. Das Vor- und Zurücklaufen des Betrachters bindet ihn in die Arbeit mit ein.

Alles in diesen Landschaften weist auf den weiblichen Körper hin. Man erkennt Rundungen, Kantiges verdeckte oder offengelegte Körperstellen.

2021

Waren es anfangs noch zarte Linien, die Silhouetten andeuteten oder vertraute Formen, die nach Licht und Schatten suchten, lösen sich die neuen Werke immer mehr auf: Der Fokus wechselt zu den Landschaften, die Körper verschwimmen mehr und mehr. Erst bei genauerer Betrachtung treten sie zu Tage, sie schimmern unter Farbschichten hervor, offenbaren sich in gekratzten Reliefs - sie sind blosse Ahnungen, so feinstofflich wie ihre ewige Anziehungskraft.

Text; Michéle Roten, Autorin

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Körperlandschaften

IG Halle im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Voyage – Voyeur

2021

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