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abstract landscape
2020-2021
Acryl, Stift, Lack, auf Leinwand
diverse Grössen
Es wird gekratzt, gemalt abgekratzt und weder übermalt.
Schichten von Farbe,...
Acryl, Stift, Lack, auf Leinwand.
PDF/ Text zu den Werken
JANET MUELLER
NOTHING
AUSWAHL_
AUSSTELLUNGEN
UNTER DIE HAUT
— Museum Bickel
15. März — 9. Mai 2026
Ausstellung Unter die Haut
Die Ausstellung folgt dem Motiv der Haut – als biologische Hülle, als Grenz- und Kontaktfläche, als Projektionsraum für Identität, Entfremdung und Zugehörigkeit. Der Rundgang führt durch emotionale Zustände, durch rohe und zugleich befreiende Bildwelten. Verzerrte Figuren, traurige Clowns oder verbergende Masken verhandeln Rollenbilder, Verletzlichkeit und
Transformation. Was dabei sichtbar wird, ist bisweilen fragil – und gerade darin von großer Kraft.
Muellers Werk oszilliert zwischen expressiver Figuration und neoexpressionistischer Abstraktion. Farben fliessen, Neonakzente setzen Kontrapunkte, Spuren werden überdeckt und wieder hervorgebracht. Muellers Kunst evoziert nicht nur Bilder, sondern macht Prozesse
sichtbar. Die Ausstellung spiegelt diese Sensibilität, indem sie eine Art Traumlandschaft entfaltet, in der Grenzen verschwimmen und Aufbruch und Wandlung als stetige Kräfte erfahrbar werden.
Den Auftakt der Ausstellung bilden clowneske Figuren, die sich in die Wandfläche einzwängen für Körper und Identitäten stehend, die sich vorgegebenen Strukturen beugen. Die vergrösserten Skizzen sind symbolische Selbstporträts der Künstlerin, weisen aber über das
Persönliche hinaus: Wann verbiegen wir uns zugunsten gesellschaftlicher Konventionen? Um Fragen von Authentizität und Maskierung geht es auch im angrenzenden Raum, wo gemalte, tanzende Rauten das zu enge Korsett sprengen. Muellers Arbeiten kreisen um Übergänge und Zwischenzustände: zwischen dem, was unter der Haut liegt, und dem, was wir nach aussen tragen. Mal spiegelt die äussere Welt das Innere,
mal wird das Innere nach aussen projiziert. In der Serie Gefühlsdschungel gibt die Künstlerin ihrer «inneren Wildnis» ungefilterten Ausdruck. Die grossformatigen Arbeiten sind bezeichnend für Muellers gestische Malerei, bei der der Blick der Betrachtenden über die pastosen Farb- und Lackschichten mäandriert, in der Körper zu Landschaften werden und
Landschaften zu Körpern. Manche dieser Bilder entstehen beinahe ohne Wasser – wenn die Künstlerin die Farbe direkt mit der Hand auf den Bildträger klatscht. Die Auseinandersetzung mit Echtheit und Inszenierung liegt auch dem Werkkomplex Du und Ich zugrunde, die eng mit der Geschichte ihres verstorbenen Bruders verbunden ist. Es geht um Beziehung als fragile Balance zwischen Nähe und Distanz, Spiegelung und Trennung.
Die räumliche Dramaturgie der Ausstellung bewegt sich zwischen Verdichtung und Öffnung. Leerstellen treffen auf Farbintensität, Momente der Introspektion folgen auf solche der Bewegung – etwa, wenn Besucher*innen in einer träumerischen Seelenlandschaft auf
Schaukeln Freiheit körperlich erfahren: als kurzer Moment des Loslassens, in dem Kontrolle, Zweck und Ziel für einen Augenblick suspendiert sind. Eigens für diesen Raum hat Mueller eine monumentale Tapete geschaffen, entstanden durch digitale Fragmentierung, Überlappung und Spiegelung eines ihrer Gemälde. Im psychedelisch anmutenden
Wandmuster, das an ein Röntgenbild oder Rorschachtest erinnert, tauchen körperliche Silhouetten, Masken und langgezogene Nasen auf – Motive, die sich durch ihre figurativen Werke ziehen und das Leitthema der Ausstellung auch in diesem Raum sinnfällig verdichten.
Als Höhepunkt und Abschluss der Ausstellung wird die Künstlerin das Wandbild in einem performativen Akt «abhäuten». Das Herausschneiden und Abziehen gleicht einer radikalen
Innenschau: Die Raumhaut wird verletzt, Tapetenfragmente werden zu Relikten, welche Besucher*innen als Erinnerungsstücke mitnehmen können – beispielhaft für Muellers künstlerische Praxis, in der alte Werke durch Wiederverwertung neue Bedeutungsebenen erschließen.
Text, Nicole Rampa Kuratorin
"Kulturtipp Zürich"
"Artline Kunstmagazin 04 I 2026"
"KUNSTBULLETTIN" 05 I 2026
About You an Me
Dispersion, Acryl auf Wand
2.40 x 8.16 m
Johanneskirche Zürich
2024
Auf der Stirnwand der Johanneskirche schichten sich Janet Muellers Farbaufträge zu einem wundersamen Gebilde. Flächen in warmem Apricot und saftigem Grün liegen hier unter- und übereinander. Sie türmen sich zu repetitivem Raster und zersplittern zu expressivem Muster, ziehen scharfkantige Bahnen und schlagen immer wieder weiche Bögen, durch die man in eine Bildtiefe blickt, die sich zwischen den verflochtenen
Formen und Linien entfaltet. Und ganz zuvorderst in diesem entrückten Raum schweben zwei Rechtecke in zartem Beige, auf denen sich schwarze Farbe zu schattenhaften Bildern im Bild formiert – sie scheinen auf den Ausgangspunkt dieser Wandarbeit zu verweisen.
Denn Muellers Werk liegen fotografische Fragmente zugrunde, die von
Zusammengehörigkeit erzählen. Anfänglich spürte sie den darin abgelichteten Körperzügen nach, doch längst flackern der Schwung einer Lidfalte und die Kurve einer Schulter nur noch als Andeutung zwischen den Farbschichten auf: Dem Intuitiven, Gestischen und Prozesshaften verschrieben deckt Muellers Malerei kontinuierlich ab und legt stellenweise wieder frei, setzt Buchstaben ins Bild und löscht sie wieder aus,wandelt Formen fliessend um und bricht Strukturen abrupt ab. Vor uns liegt das
Zeugnis eines wochenlangen Schaffens, das der umordnenden, haltsuchenden und lückenhaften Erinnerung gleicht. Der physische Ursprung ist im Bild noch enthalten, doch zum Schluss zeigt es die Topografie einer inneren Welt, in der sich vergangenes Verbundensein zwischen einem DU und einem ICH zart einwebt, tief schichtet und als
Leerstellen auftut.
Text, Julia Schmidt

About You and Me
Acryl, Dispersion auf Wand
8.10 x 2.80 m
Johanneskirche, Zürich (CH)
2024
Roh, unmittelbar, direkt – die Werke von Janet Mueller (*1975) lenken den Blick unter die Oberfläche und mäandrieren durch den Dschungel menschlicher Gefühle. Sie oszillieren zwischen inneren Wahrheiten und äusserer Inszenierung, zwischen dem, was unter der Haut liegt und dem, was wir nach aussen tragen. Im Mut zur Verletzlichkeit entfalten die Werke eine fragile und zugleich befreiende Kraft.
Die Künstlerin wurde in der ehemaligen DDR geboren und lebt seit 1999 in der Schweiz. Als Autodidaktin fand sie vor zehn Jahren zur Kunst. In ihrer ersten musealen Einzelausstellung lädt sie das Publikum ein, in Tiefenschichten einzutauchen und sich auf Schaukeln in die eigene Traumlandschaft zu schwingen.
Museum Bickel, Zettlereistrasse 9, 8880 Walenstadt
Fr. Sa. So. // 14 -17 h
(C)
Janet Mueller
2026




















