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JANET MUELLER

AUSWAHL_

2024 - 2019

Bildschirmfoto 2024-05-10 um 09.56.45.png

Schon seit vielen Jahren sind Frauen und Formen der Weiblichkeit ein wiederkehrendes Thema ihrer Arbeiten. Es ist ein fragender Blick, zart, liebe- und verständnisvoll, der bisweilen doch auch eine Forderung beinhaltet. Beim Betrachten der Werke betrachten wir immer auch den Blick der Gesellschaft auf die Frau: Oft sind es übermalte Fotografien von Frauen in Werbungen, von der Künstlerin zurückerobert und ermächtigt. Waren es anfangs noch zarte Linien, die Silhouetten andeuteten oder vertraute Formen, die nach Licht und Schatten suchten, lösen sich die neueren Werke immer mehr auf: Der Fokus wechselt zu den Landschaften, die Körper verschwimmen mehr und mehr. Erst bei genauerer Betrachtung treten sie zu Tage, sie schimmern unter Farbschichten hervor, offenbaren sich in gekratzten Reliefs – sie sind blosse Ahnungen, so feinstofflich wie ihre ewige Anziehungskraft. 

 

Mueller hat sich in den letzten Jahren, nach intensivem Studium aller Variationen der Linie – von Hand gezogen, mit Tape geklebt, organisch, geometrisch, zaghaft, bestimmt – vermehrt dem zugewandt, was Linien oft erst herstellen: Den Flächen. Strukturen und Texturen werden erforscht, Farben entdeckt und zum Spiel aufgefordert. Flächen, tief, dicht, bodenlos, wild, sind wackeligen Rastern und Mustern gegenüber gestellt, die sich wie eine Persiflage auf unsere Idee von Ordnung und Kontrolle legen. Wie immer bei Mueller wird beim Betrachten der Bilder eine Seite in uns geweckt, die im Alltag unserer ziel- und leistungsorientierten Gesellschaft viel zu selten zu Wort kommt: die intuitive, kindlich-freie Lust an der Kreativität, am Ergründen der Schönheit.

Text, Michéle Roten, Autorin

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